Was haben folgende Beschwerden gemeinsam?
Muskelschmerzen, Triggerpunkte, Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen, Sehnenscheiden-Entzündungen, rheumatische Erkrankungen, Gicht, Müdigkeit, Kopfschmerzen/Migräne, Nervosität, Unausgeglichenheit, Unruhezustände, Schlafstörungen und abnehmende Belastbarkeit.
Richtig: Sie können Symptome derselben Ursache sein: Übersäuerung.
Eine Übersäuerung ist eine Übersättigung mit Säuren im Bindegewebe und zu wenig Basen, welche nachfolgend die selbstständige Regulation im Körper Stück für Stück ins Ungleichgewicht verschiebt.
Fragt man die Schulmedizin, so ist ein Großteil fest davon überzeugt, dass es keine Übersäuerung gibt. Das hat jedoch den Grund, dass hier davon ausgegangen wird, dass ausschließlich das Blut übersäuert. Das darf nicht vorkommen, sonst liegt man schnell auf der Intensivstation, da der pH-Wert des Blutes keine große Schwankung zulässt. Hierbei wird jedoch der Blick allein auf das Blut gelenkt und die Tatsache verschwiegen, dass das Blut (welches fast alle Gewebe des Körpers versorgt) über verschiedene Mechanismen gepuffert wird. Diese Puffermechanismen holen z.B. aus Bindegewebe und Knochen die basischen Anteile heraus, um eine Säureflut z.B. nach dem Essen auszugleichen. Dadurch wird dem Blut zwar geholfen, jedoch werden den Geweben entweder Basen entzogen oder Säuren in ihnen eingelagert. Das bleibt bei längerer Übersäuerung nicht ohne Folgen für diese Gewebe. Doch darauf wird später ausführlicher bei den Erklärungen zu den Schutzmechanismen eingegangen.
Für die Naturheilkundler war bis vor etwa 50 Jahren die Entsäuerung das Mittel der Wahl bei sämtlichen Beschwerden. So ziemlich jede naturheilkundliche Therapie begann mit dem Zuführen von Basen, um die Säuren zu neutralisieren. Dies erfolgte mit Basenpulver und Tabletten, basischer Ernährung und basischer Körperpflege bis hin zu Basen-Infusionen.
Doch wie gelangen die Säuren in den Körper?
Durch die tägliche Nahrung nehmen wir unterschiedliche Mengen von Säuren (und Basen) auf – vor allem durch tierisches Eiweiß und viele Getreideprodukte. Zusätzlich wird durch Kaffee und Kuchen sowie Süßigkeiten und Alkohol vermehrt Säure aufgenommen. Das heißt, dass die „normale“ Ernährung zu Übersäuerung führen kann.
Und was ist daran so schlimm? An welchen Anzeichen kann man die Übersäuerung erkennen?
Folgen für den Schlaf:
- Typische Schlafstörungen zwischen 2 und 3 Uhr nachts – Naturheilkundler sprechen von der „Leberzeit“. Die Leber verstoffwechselt die organischen Säuren und verarbeitet in einer Stunde so viele Säuren wie die Niere in 24 Stunden.
- „Die Entgiftungsfabrik Leber“ muss bis zum Morgen wieder heruntergefahren sein, daher wird ihre Tätigkeit um ca. 2 Uhr nachts mit einem Cortisolstoß gebremst. Je heftiger die Fabrik arbeitet, desto heftiger muss der Cortisolstoß sein, um das Herunterfahren einzuleiten. Und da Cortisol ein Stresshormon ist, kann man davon natürlich auch aufwachen. Hier ist es oft typisch, dass man plötzlich hellwach im Bett liegt.
Auswirkungen auf das Schmerzempfinden:
- Schmerzrezeptoren können sehr empfindlich auf eine Übersäuerung reagieren.
- Geringste Reize können durch eine Übersäuerung bereits sehr viel leichter Schmerzen auslösen. Bei chronischen (Bindegewebs-)Erkrankungen werden durch entzündliche Prozesse vermehrt Säuren gebildet die Schmerzspirale dreht sich dadurch häufig weiter.
Auswirkungen auf die Knochen:
- Bereits eine leichte Übersäuerung verschiebt das Gleichgewicht beim Knochenaufbau und Knochenabbau
- Bei mehr Säurebelastung kann das Risiko für eine Osteoporose steigen.
Auswirkungen auf die Nieren:
- Bei gleichzeitig hoher Konzentration von Oxalsäure kann es zur Bildung von Nierensteinen kommen.
Sichtbare Auswirkung auf das Bindegewebe kann z.B. eine Cellulitis sein.
Bei all diesen Schilderungen könnte man meinen, dass wir Menschen eigentlich gar nicht lebensfähig sind. Jedoch muss betont werden, dass der Körper mit ganz vielen Schutzmechanismen ausgestattet wurde, die das Übersäuern zu einem gewissen Grad verhindern – solange die Schutzpuffer nicht ständig ausgereizt werden.
Wie schützt sich der Körper vor einem schädlichen Säureüberschuss?
1. Säureausgleich über die Niere:
Die Niere scheidet Säure nur in gebundener Form aus, sonst wäre der Säuregehalt des Urins so hoch, dass die ableitenden Harnwege geschädigt würden.
Die Niere benutzt dazu Ammoniak. Sie bewältigt damit ca. 60 % der anfallenden Säuren und braucht dazu viel Flüssigkeit: ca. 1,5 bis 2 Liter täglich.
Die Nierenleistung lässt im Alter nach —> hier muss mehr getrunken werden.
2. Säureausgleich über die Knochen:
Knochen sind Basenspeicher.
Bei Bedarf wird Bikarbonat (= Base) ins Blut abgegeben, um hier die Pufferkapazität aufrechtzuerhalten. Bei langfristiger Übersäuerung werden Mineralien aus den Knochen herausgelöst —> auf Dauer baut sich die Knochensubstanz ab. Man spricht auch von „leicht brüchigen Knochen“ oder Osteoporose – kein Wunder, wenn die basischen Anteile herausgezogen werden.
3. Säureausgleich über die Haut:
Die Haut ist die „3. Niere“ der Naturheilkunde.
Ausscheidung der Säure geschieht beim Schwitzen über die Poren, z.B bei Saunagängen.
—> Das Säure-Basen-Verhältnis in unserem Körper ist keine starre Größe, sondern in ständiger Bewegung. Man spricht von einem fließenden Gleichgewicht.
Wie kann die Naturheilkunde eine sinnvolle therapeutische Hilfestellung geben?
Eine ganzheitliche Therapie berücksichtigt immer die individuellen Gegebenheiten eines jeden Menschen. Nicht jeder kann sich sofort ohne Vorbereitung basisch ernähren oder kennt die geeigneten Basenlieferanten, geschweige denn die richtigen Pflanzen zur Unterstützung als Tee, Tropfen oder Kapseln.
Es hat sich hier bewährt, mit einer 4- bis 6-wöchigen individuellen Entsäuerungskur für zu Hause zu starten, um die ersten Veränderungen zu erleben. Die meisten der Patienten spüren relativ schnell, dass es ihrem gesamten Körper guttut und sind motiviert, länger dranzubleiben, da kleine Abweichungen von der Kur auch erlaubt sind.
Die individuelle Entsäuerung beinhaltet meist folgende sieben Punkte gleichzeitig, wobei der genaue und ausgedruckte Therapieplan hier individuell auf jede Person präzise zugeschnitten werden muss, was nur in einer Sprechstunde möglich ist:
- basische Ernährung (auf Sie angepasste und umsetzbare Ernährung)
- Basentabletten/-pulver (mit einem für Sie individuellen Präparat)
- Nierenstärkender Ausscheidungstee (individuelle Rezeptur)
- Leberstärkende Präparate/Tinkturen (individuelle Mischungen)
- Optimierte Darmfunktion (individuelle Präparate)
- Bewegungstherapie – Konzepte für alltagsgerechte Umsetzung
- Unterstützende Ausleitung über die Haut
Wann sollte man eine Entsäuerungskur nicht machen?
- in Schwangerschaft und Stillzeit
- bei schweren koronaren Herzerkrankungen
- bei schweren Psychosen und bei der Einnahme bestimmter Medikamente wie Lithium
- bei akuter Magenschleimhautentzündung
- bei Fieber
Kosten?
- Die Heilpraktiker-Sprechstunde kostet 40€ pro halbe Stunde. Es erfolgen eine genaue Anamnese (Krankengeschichte nach Befragung des Patienten), eine körperliche Untersuchung und die Erstellung eines individuellen Therapieplans.
- Zusätzliche Kosten entstehen für Ihre individuellen Präparate sowie Tees. Diese werden von mir genau für die Apotheke rezeptiert und betragen anfangs ca. 55€. Eine Kostenerstattung ist teilweise durch private Krankenkassen, Zusatzversicherungen oder Beihilfe möglich.
Ihr Physiotherapeut und Heilpraktiker,
Christian Behr